15.11.2025 Abo-Konzert im WORMSER - J. Haydn  "Die Schöpfung"

Leider war am 15.11.25 weder ein Rezensent noch ein Fotograf der Wormer Zeitung vor Ort. Eine der WZ angebotene Nachbesprechung des Konzerts durch Reinhard Volz wurde nicht abgedruckt. Sie ist deshalb hier nachzulesen. Bilder vom Konzerttag und der Generalprobe finden sich hier.

Wormser Kantorei glänzt mit Haydns Schöpfung im 2. Abonnementskonzert

Das zweite Abonnementskonzert des Wormser Theaters stand ganz im Zeichen der Wormser Kantorei, die im Jahr 1955 von Tobias Ihle gegründet worden war und seit dem Jahr 2000 von Stefan Merkelbach geleitet wird. Für dieses 70jährige Jubiläum hatte man die „Schöpfung“ von Joseph Haydn ausgewählt und hochkarätige Gesangssolisten sowie die Kammerphilharmonie Mannheim als Orchester engagiert. Doch, wenn zu Beginn einer Aufführung jemand mit Mikro auf die Bühne kommt, heißt das oft nichts Gutes. Hier war es Stefan Merkelbach, der verkünden musste, dass der avisierte Tenor Julian Freibott kurz vor der Generalprobe krankheitsbedingt absagen musste und dass buchstäblich in letzter Minute Maximilian Fieth einspringen und so die Aufführung retten konnte. Haydns großes Oratorium beginnt, wie er selbst schreibt, mit der „Vorstellung des Chaos“. Man hört zunächst nichts als ein lautes unisono C vom gesamten Orchester, das langsam verklingt. Dann beginnen schüchtern nach und nach einzelne Streicher, aber sie finden nicht wirklich eine stabile Tonart. Wieder ein lauter Schlag im Orchester, jetzt scheint die Tonart gefunden, aber kaum ist der Akkord verklungen, wieder kein fester Boden unter den Füßen, bis schließlich Des-Dur erreicht wird und die Einleitung ins Fließen kommt. Ein Horror, diese ersten 20 Takte, die Haydn da komponiert hat, bevor die Schöpfungsgeschichte beginnt, die in der Erschaffung von Mann und Frau gipfelt.

 

Das Publikum im fast ausverkauften Theater erlebte eine faszinierende, großartige Aufführung, in der alles zusammenpasste, und bei der man es den Mitwirkenden anmerkte, dass sie mit großem Engagement und Freude dabei waren und die souveräne Leitung von Stephan Merkelbach genossen, der alles im Griff hatte. Sein bestens vorbereiteter Chor war stets präsent und meisterte seine Passagen makellos. Die Solisten Annabelle Hund, Sopran, Maximilian Fieth, Tenor und Georg Gädker, Bariton, waren ein Glücksgriff. Sie bewältigten ihre Partien mühelos und mit sehr guter Textverständlichkeit. In den Terzetten verschmolzen sie zu einem Guß.  Die Kammerphilharmonie Mannheim, bestens besetzt in den Bläsersoli, einem homogenen Streichersatz und mit einem umsichtig agierenden Konzertmeister war ebenfalls ein Garant für eine außergewöhnliche Aufführung, die vom Publikum zu Recht mit stehendem Applaus bedacht wurde.

Reinhard Volz

 

 

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